Meine erste Woche Dachzelten auf Teneriffa

Meine erste Woche Dachzelten auf Teneriffa

Ja, Teneriffa ist toll. Und ja, Teneriffa ist definitiv dachzeltgeeignet. Und nein, es gibt nicht an jeder Ecke Diebe und Räuber.

Also. Über die erste Nacht in Santa Cruz direkt an der Straße und die zweite Nacht in Los Abrigos auf dem schwer zugänglichen Parkplatz des Piscina Naturale habe ich ja schon berichtet.

Soviel ist klar: Man darf auf keinen Fall jeden Tag am selben Standort parken. Da könnte man erstens den einen oder anderen Ortsansässigen verärgern respektive stören. Zweitens ist das offiziell nicht erlaubt, weswegen die Polizei theoretisch ankommen und mich abmahnen könnte. Und drittens könnte dann doch einmal ein Dieb auf die Idee kommen, mein Auto als Objekt in Betracht zu ziehen, wenn er es schon jede Nacht am selben Ort parken sieht. Obwohl ich nicht glaube, dass tatsächlich jemand so dumm wäre, zu versuchen, mich auszurauben, während ich oben im Dachzelt schlafe. Aber gut, ich parke also nicht täglich am selben Fleck.

Aber wo parkst du denn dann?

Also einen netten Parkplatz gibt es in El Médano. Nicht allzu weit von Las Chafiras, wo ich arbeite. Es ist ein Surferparadies. Und damit extrem windig. Immer. Der Parkplatz, von dem ich spreche, ist oberhalb des Strandes, außerhalb des Ortes, in der Nähe einer Höhle: La Cueva del Hermano Pedro. Wunderschön, wenige Fahrzeuge. Es gibt nur zwei kleine Problemchen: Erstens ist das ein beliebter Platz für Pärchen, die miteinander Sex haben wollen, weswegen auch gleich ein Kanarier auf die Idee kam, mit seinem Auto zu fahren und mich anzusprechen. Ich wollte doch nur schlafen, Menno. Na, ich bin ihn ja los geworden. Und als ich ins Dachzelt hoch geklettert bin und die Reißverschlüsse zugemacht habe, hat auch kein weiterer Mann mehr versucht, mich anzumachen. Problem Nummer 2: Es ist, wie bereits erwähnt, sehr windig. So windig, dass ich erstmal fleißig gegoogelt habe, wie viel Wind mein Dachzelt aushält. Es hält sehr viel Wind aus. Das war unbedenklich. Ich wäre nicht mit dem Dachzelt davon geflogen. Aber: Der Wind ist laut! Und das Dachzelt hat Verschlüsse für die Fenster, die man mit Reißverschluss zumacht. Und diese Verschlüsse haben unentwegt geklappert. Insgesamt war das Ganze ein Erlebnis, als hätte ich in einem Güterzug geschlafen. Aber irgendwie hab ich trotzdem herrlich geschlafen. Die ganze frische Luft hat mich irre müde gemacht.

Was ist eigentlich mit Bad und Küche?

Ja, ich habe weder ein Bad noch eine Küche.

Mein Ersatz fürs Bad:

  1. Ich habe ein Abo im Fitnessstudio. In Las Chafiras. Kostet 40 EUR pro Monat. Hat sechsmal pro Woche bis 22 Uhr geöffnet. Vorteil: Ich kann dort nicht nur duschen, sondern ich mache dann natürlich auch Sport. Was ich sonst vielleicht nicht machen würde, weil ich oft zu k. o. bin. Aber da ich da nun einmal sowieso zum Duschen hin gehe, kombiniere ich das eben gleich mit einer Runde Cardio und Training. Montag Arme, Dienstag Beine, Mittwoch Arme, Donnerstag Beine und Freitag Arme. Die nächste Woche fange ich wieder mit den Beinen an. Ich habe mich dort auch mal gewogen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich schon abgenommen habe, seit ich im Dachzelt lebe. Ja, habe ich: fast 4 Kilo bereits. Nur durch weniger essen, weil ich ja kein Sofa mehr habe, und mich mehr bewegen, weil ich ja kein Sofa mehr habe.
  2. Wenn ich auf Toilette muss: Natürlich in der Arbeit und im Fitnessstudio. Außerdem: Es gibt eine 24-Stunden-Tankstelle in Las Chafiras. Ansonsten: Restaurants, Cafés, Einkaufszentren, McDonalds, Tankstellen. Bei vielen Stellplätzen habe ich Gebüsch dabei, wenn es nicht anders geht. Falls du WC-Papier benutzt: Besser mitnehmen, in einer Mini-Mülltüte. Denn: Selbst wenn du eine Schaufel dabei hast: Der Boden ist hier auf Teneriffa meist steinhart. Da kannst du nicht wirklich graben. Also großes Geschäft nur in Toiletten. Übrigens: Auf Teneriffa wirft man kein Klopapier ins Klo. Dafür stehen Eimer neben dem Klo. Fand ich bisher semi-optimal der Ansicht wegen. Aber da muss ich mich dran gewöhnen. Ich nehme auch immer eigene feuchte WC-Tücher mit. Die kann man auch gut verwenden, um den WC-Sitz abzuwischen, bevor man sich hinsetzt. Oder wenn mal kein Klopapier mehr da ist.
  3. Zum Klamotten-Waschen gibt es in jeder Stadt Waschsalons. Ich mache das am Wochenende. In Santa Cruz. Eine Wäsche dauert 30 Minuten und kostet 4 EUR. Trockner nochmal 4 EUR und 20 Minuten. Fertig. Sonntag ist ideal, da nichts los ist und man auch einen Parkplatz vor der Tür bekommt.

Mein Ersatz für die Küche:

  1. Ich kaufe fast täglich ein und habe eine Kühltasche im Auto. Brot, Obst und Salat halten sich darin einen Tag ganz gut.
  2. Ich kann mir auch in der Arbeit was machen, kaufe mir aber eigentlich nur fast fertige Sachen. Also Salate, die schon geschnipselt sind, die ich nur noch mit Joghurt mischen muss. Oder sowas wie Quinoa-Salat, der schon fertig ist. Oder ich esse Obst. Oder mal Vollkorn-Toast mit Lachs.
  3. Ich könnte auch mal im Restaurant was essen, da ich ja 600 EUR Miete monatlich einspare. Aber ich habe gar nicht so viel Hunger. Die Portionen sind mir im Restaurant zu groß. Obwohl das hier total günstig ist. Frühstück mit Sandwich und Kaffee für 2 EUR. Irre.

Du studierst doch. Wo lernst du denn?

In Parks und botanischen Gärten. Warum? Weil es da schattig ist. Und schön.

Bisher kenne ich zwei botanische Gärten auf Teneriffa: Der Planetum in Santa Cruz. Und der Jardín de aclimatación de La Orotava in Puerto de la Cruz. Beide schön. Aber der in Santa Cruz ist größer und hat viele Aussichtsplätze mit Blick aufs Meer.

Der botanische Garten in Adeje, der näher bei meiner Arbeit wäre, hat derzeit dauerhaft geschlossen. Google Maps wusste das noch nicht. Ich habe das aber dort als Kommentar hinzugefügt.

In Las Chafiras gibt es einen schönen Park, der eigentlich für BMX-Fahrer zum Herumsausen gedacht ist. Wird aber kaum dafür genutzt. Nebenan ist noch ein Sportplatz, wo Kinder und Jugendliche Ball spielen. Stört mich aber beim Lernen nicht.

Wenn ich am PC lernen will, bleibe ich einfach – so wie zum Bloggen – länger in der Arbeit. Wir haben hier eine gemütliche Sitzecke mit WLAN. Und übrigens auch eine schöne Terrasse. Aber mein Laptop ist schon alt, der braucht ununterbrochen Strom, deshalb schreibe ich dann hier drinnen.

Und welche Stellplätze hattest du noch?

Einmal habe ich vor dem Oficína de Turismo (Touristikinformation) geparkt, von 22-6 Uhr, weil ich nicht so weit von der Arbeit weg fahren wollte. Hat keiner was gesagt, obwohl da der Boden gelb markiert war, was eigentlich heißt, dass da Parkverbot ist. Aber es war einfach keiner da in der Nacht, also war ich keinem im Weg.

Ja, und wo habe ich noch geparkt?

Im Gewerbegebiet Las Chafiras in verschiedenen Straßen. Wobei es da morgens recht früh lauter wird, da die Lkws früh anfangen, die einzelnen Geschäfte und Werke zu beliefern.

In Richtung San Miguel in einer Wohnsiedlung parallel zur Hauptstraße von Las Chafiras nach San Miguel. Auf der Hauptstraße fahren zwar die ganze Nacht immer wieder Autos. Aber die Parallelstraße, in der ich geparkt hab,  ist eine Einbahnstraße für Anwohner, und da kam kaum einer zwischen 22 und 7 Uhr durch.

In San Blas, so ein Etepetete-Wohn-und-Urlaubs-Ort mit Villen und teuren Hotels. Einziges Problemchen: Live-Musik von einem großen Hotel zum Einschlafen war einen halben Kilometer weit zu hören. Aber auf dem Parkplatz standen nur 3 Autos, und es kam kein Schwein vorbei, wo ich stand.

In Santa Cruz auf dem Parkplatz, der zum Planetum und zum Schwimmbad gehört. Ist nur Freitag auf Samstag Nacht bisschen doof, dass viele junge Leute dort Party feiern und laut Musik aus dem Auto laufen lassen. Aber ich war so hundemüde, dass ich trotzdem schlafen konnte.

In Puerto de la Cruz in der Nähe vom Botanischen Garten auf einem mittelgroßen Parkplatz, wo ein Eisenwarenladen und ein Friseur sind. Bis auf die Straße daneben, wo noch lange Autos fuhren, hat mich nichts daran gestört, aber auch da konnte ich innerhalb von 20 Minuten einschlafen, weil ich einfach müde genug war.

Ich glaube sowieso, dass das das Rezept schlechthin ist: Sei einfach müde genug, dann stören dich die Geräusche auch nicht. Naja, und was mir noch geholfen hat, ist, dass ein Kollege gemeint hat: „Was, du hast in München im Dachzelt geschlafen? Da hätte ich Angst gehabt. Aber hier in Teneriffa sind alle so nett, da könnte ich auch in Ruhe schlafen.“ Da hat er was Feines gesagt, der Kollege. Na denn, gut’s Nächtle, und bis denne!

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